Wissenswertes über Yoga
Yoga stammt von der Sanskritverbwurzel yui (= vereinigen). Yoga ist also ein Zustand der Einheit, ein Zustand ohne Trennung und Teilung. Yoga ist aber auch ein Weg, denn es geht darum diesen Zustand durch eine disziplinierte spirituelle Praxis – durch Yoga - zu erreichen. Yoga stellt somit einen Zustand sowie einen Weg dar, d.h. Yoga wird durch Yoga erreicht.
Das Yogasystem wird hauptsächlich in vier Aspekte des Yoga, Karma (=Handlung),
Gnyana (=Erkenntnis), Bhakti (=Hingabe) und Raja (=Herrschaft) unterteilt. Keiner dieser vier Yogawege ist völlig getrennt von dem anderen, das höchste Ziel ist bei allen immer dasselbe. Sie lehren uns, wie wir uns erheben können, um den Zustand: Sein-Bewusstsein-Seligkeit (Sat-Chit-Ananda) zu erreichen; die Vereinigung der individuellen mit der kosmischen Seele. Oder mit den Worten Sri Aurobindo's ausgedrückt: „Yoga bedeutet, das „Hineintreten in ein Bewusstsein, in dem man nicht mehr begrenzt bleibt durch das kleine Ich, den persönlichen Geist, das persönlich Vitale oder Leibliche, sondern in Unio steht mit dem höchsten Selbst".
In den indischen Schriften finden sich häufig Hinweise auf Yoga in Form von Erläuterungen, Definitionen und Lobreden. Als früheste Texte sind die Veden (1200 bis 500 vor Christus) überliefert, wobei insbesondere die Upanisaden den Gnyana-Yoga betreffen. Danach folgen die beiden großen Nationalepen – Ramayana und Mahabharata. Die Bhagavad Gita (= Gesang des Erhabenen, etwa 200 vor Christus), die die spirituelle Essenz des Mahabharata darstellt, behandelt verschiedene Aspekte des Yoga, konzentriert sich aber vor allem auf Karma-, Gnyana- und Bhakti-Yoga.
Aus der Anzahl dieser Schriften hat Patanjali, ein großer indischer Weiser, eine einzige philosophische Sammlung – das Yoga Sutra – erstell (etwa bis 300 nach Christus). Unterteilt in die vier Kapitel (Samadhi Pada - Kontemplation, Sadhana Pada - spirituelle Praxis, Vibhuti Pada – göttliche Manifestationen und Kaivalya Pada – letztendliche Befreiung) ist das ganze Wissen über Yoga in 196 sutras (=Aphorismen) zusammengefaßt. Damit gilt Patanjali auch als der „Vater des Yoga", seine Sutren sind die Basis für alle verschiedenen Meditations- und Yogapraktiken. Patanjalis Yoga wird oft mit Raja-Yoga gleichgesetzt, da er in seinem Text die Kontrolle des Geistes, die Überwindung von Leiden und die Verwirklichung des Selbst behandelt. Im Yoga des Patanjali geht es also um die Transformation eines unruhigen, verstörten Geistes hin zu einem brauchbaren und positiven Instrument auf dem Weg zu mehr Klarheit und Freiheit. Das Ziel am Ende ist den Geist von allen Trübungen zu klären und aus diesem erleuchteten Zustand heraus Befreiung zu erlangen.
Patanjali erläutert im zweiten und dritten Kapitel des Yoga Sutra – im sadhana und vibhuti pada - insgesamt acht konkrete praktische Techniken, um über den Geist zu herrschen => Acht-gliedriger Yogapfad oder auch Ashtanga Yoga. Die ersten zwei Glieder (Yama und Niyama) bilden die spirituellen Grundlagen ethischen Verhaltens und Entwicklung von Tugenden. Die folgenden zwei weiteren Glieder – Üben der Körperhaltungen (Asana) und Atemtechniken (Pranayama) - bekannt unter dem Begriff Hatha-Yoga - bilden den Yoga der Willenskraft. Als weiteres Glied der spirituellen Praxis folgt das Zurückziehen der Sinne (Pratjahara). Die Ergebnisse der fünf vorstehenden spirituellen Praktiken eröffnen die drei letzten Glieder: Konzentration (Dharana), Meditation (Dhyana) und transzendenter Bewußtseinszustand (Samadhi). Die ersten fünf Glieder bieten äußere Hilfen, die die äußeren Aspekte der Natur, wie Verhalten, Körper, Atem, Sinne & Geist harmonisieren. Die letzten drei Glieder bieten innere Hilfen und stellen den zentralen Teil des Yoga dar, denn hier geht es um die Fähigkeit der Einswerdung. Alle acht Glieder des Yoga bilden eine untrennbare Einheit, die sich auf verschiedene Aspekte des menschlichen Lebens beziehen. Obwohl im Acht-Gliedrigen Yogapfad als Stufen dargestellt, sind diese nicht nacheinander zu praktizieren, sondern repräsentieren vielmehr einen ganzheitlichen Übungsweg, bei dem die verschiedenen Disziplinen zusammen wirksam werden. Das Praktizieren von Körperhaltungen und Atemtechniken (=Hatha-Yoga) alleine, stellt daher keine umfassende spirituelle Praxis des Yoga dar. Da es aber sehr schwer ist, nur durch geistig-psychologische Techniken die Herrschaft (=Raja) über den Geist zu erlangen, stellt die Hatha-Yoga Praxis eine wichtige Hilfe dar, um Raja-Yoga zu erlangen.
Um es mit den Worten von Svatmarama, dem Autor der bekannten klassischen Yogaschrift Hathapradipika (14. Jh. nach Christus) auszudrücken:
Kein Erfolg in Raja Yoga ohne Hatha Yoga und kein Erfolg in Hatha Yoga ohne Raja Yoga! Deshalb soll beides gut bis zum Ende geübt werden. Hpr. II,76